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STREIK DER RUSSISCHEN LKW-FAHRER


(Foto Deutschlandradio / Julia Larina)

Am 27.März 2017 begannen die russischen LKW-Fahrer einen Streik gegen das Mautsystem "Platon". Sie protestieren mit diesem Streik gegen die Erhöhung der Gebühren.
2015 wurde dieses Mautsystem eingeführt. Schon bei der Einführung gab es massive Proteste, da die Maut bei der derzeitigen schlechten Wirtschaftslage die Existenzen vieler Fahrer bedroht.
In Russland sind sehr viele LKW-Fahrer selbstfahrende Unternehmer. Wegen der schlechten Wirtschaftslage können die wenigsten Unternehmen diese Maut an die Kunden weitergeben. Deshalb können die Unternehmer nicht mehr effizient arbeiten.
Mit dem Streik 2015 wurde erreicht, dass die Maut nicht in geplanter Höhe eingeführt wurde. Nun aber will der russische Staat die Maut in der 2015 geplanten Höhe anheben. Das würde das Aus vieler Kleinunternehmen bedeuten.

Das Mautsystem "Platon" wird vom russischen Staat und vom Investor RT-Invest geführt. Einer der Investoren ist Igor Rotenberg, Sohn von Arkadi Rotenberg, einem engen Vertrauten Wladimir Putins, was von den Fahrern bemängelt wird. Die Maut sollte in die Infrastruktur fließen aber vielerorts ist das noch nicht am Zustand der Straßen erkennbar.Es hätte auch niemand Zahlen vorgelegt, an denen erkennbar wird, in welcher Höhe der LKW-Verkehr die Straßen schädigt.

Laut Organisatoren nehmen an diesem Streik bereits Fahrer aus rund 70 Regionen teil. Aus verschiedenen Regionen ,wie zum Beispiel Tula, Tscheljabinsk, St. Petersburg, Stawropol und anderen, gab es Berichte von Festnahmen.

Ruslan Akajew, politischer Berater des Informations- und Presseministers der südrussischen Republik Dagestan, äußerte sich auf Facebook dazu folgendermaßen:

"Warum lasst ihr unschuldige Personen leiden? Ihr seid keine Männer! Ihr seid Tiere! Könnt ihr nicht auf eine andere Art und Weise demonstrieren? Ich bin kein Befürworter von Platon, aber euer Verhalten ist wesentlich schlimmer! Nationalgarde! Schlachtet diese verrückten Lkw-Fahrer ab! Verwandelt sie in Staub! Konfisziert ihre Fahrzeuge! Zerschlagt ihnen ihre dreisten Gesichter! Beschützt die Menschen! Bitte!"
(Übersetzung aus dem Russischen)


Hier ein Interview der Zeitung Novaja Gazeta mit Andrej Bazutin vom 7.April 2017
(übersetzt aus dem Englischen)

Zitat
Andrej Bazhutin:
"Mehr als eine Million LKW sind landesweit stehengeblieben"


Nina Petlyanova
Novaya Gazeta, 7. April 2017

Der landesweite Streik der russischen Trucker geht weiter. Die Hauptwaffe des Regimes gegen die Streikenden war eine harte Polzeitaktik. Andrej Bazhutin, Vorsitzender des Verbandes der russischen Trucker (OPR) und der ordnungsgemäß gewählte Vorsitzende der Fernfahrer gegen das Platon-Straßenmautsystem, ist harten Maßregelungen ausgesetzt. Am 27. März erhielt er eine 14 tägige Haftstrafe. Er verbrachte fünf davon in einem Gefängnis, bevor er freigelassen wurde, während die Behörden seine vier Kinder fast ihrem Zuhause entrissen und bei seiner schwangeren Frau beinah eine Fehlgeburt auslösten. Aber nichts davon hat Bazhutin und seine Kollegen bewegt, ihren Kampf aufzugeben.

Ist eine 14 tägige Haftstrafe ein fairer Umgang unter Ihren Umständen? Wofür werden Sie bestraft?

Das Ziel ist klar. Dies geschah nicht auf Geheiß der Verkehrspolizei, der Polizei oder der anderer Sicherheitsdienste. Es war ein bewusstes Vorgehen seitens des Regimes, um mich zu isolieren. Die Richterin hat übetrieben, als sie mich zu 14 Tagen Haft verurteilte. Es war eine herzlose und ungewöhnliche Bestrafung. Ich habe nichts so schreckliches getan, was es rechtfertigen könnte, mich für 14 Tage wegzusperren.

Was haben Sie gemacht? Haben Sie irgendwelche Gesetze verletzt?

Alle drei Fälle, die es bis vor Gericht machten, gingen um den Entzug meines Führerscheins. Zwei der Fälle wurden von Richterin Marina Afanasieva gehört, die angeordnet hat, mich zu verhaften. Aber in zwei der drei Fälle war ich nicht einmal hinter dem Lenkrad. Es wurde auf Video aufgenommen: Es ist beweisbar. Trotzdem wurde meine Fahrerlaubnis entzogen.

Wann haben Sie herausgefunden, dass Sie mit einer entzogenen Fahrlizenz gefahren sind?

Am 27. März, als ich inhaftiert war. Ich wusste, dass es die Vorwürfe gab. Wir haben einen Widerspruch eingelegt, und ich war sicher, dass er erfolgreich sein würde. Aber was passiert ist, ist passiert. Die Verkehrspolizisten sagten mir, ich hätte wissen müssen, dass ich mit einer entzogenen Lizenz fuhr. Zwei Tage bevor ich inhaftiert war, fuhr ich nach Moskau und zurück in meinem eigenen PKW, und niemand hielt mich an. Bin ich so wahnsinnig, dass ich tausend Kilometer in eine andere Stadt fahre mit dem Wissen, dass meine Lizenz widerrufen ungültig war? Als ich inhaftiert wurde, holte ich meinen Sohn vom Training ab. Er trug seine nasse Uniform. Wir waren buchstäblich hundert Meter vom Haus entfernt. Die Polizei vom 25. Bezirk, wo ich schließlich festgenommen wurde, war im Hof meines Hauses. Ich fragte den Verkehrspolizisten sich entweder hinter das Lenkrad zu setzen oder mich meinen Sohn nach Haus fahren zu lassen, aber er weigerte sich kategorisch. Außerdem schickte er eine Nachricht an die Kinderschutzbehörde, nachdem sie beschlossen hatte, die Kinder in ihre Obhut zu bringen.

Was haben Sie gemacht, als Sie das herausgefunden haben?

Als ich noch ein Handy hatte, rief ich meinen ältesten Sohn an und er lief nach Hause. Aber die Kinderschutzbehörde erklärte, dass er kein Erziehungsberechtigter war und nicht bei den Kindern bleiben konnte. In diesem Augenblick war ich zum 25. Polizeibezirk gebracht worden. Die Leute des Kinderschutzdienstes und mein Sohn traten in unsere Wohnung, und sie kontrollierten alles, einschließlich des Kühlschranks. Dann rief Artyom seine Mutter, meine Frau, und erzählte ihr alles. Sie verließ das Krankenhaus, in dem sie eingeliefert worden war, um eine Fehlgeburt zu vermeiden. [Natalya Bazhutina ist sieben Monate schwanger - Novaya Gazeta.] Sie kam nach Hause und sagte den Beamten, dass ihr ältester Sohn und seine Großmutter für die Kinder in ihrer Abwesenheit verantwortlich waren. Aber sie sagten ihr, sie brauchten eine Vollmacht. Natalya eilte zu einem Notariat, wo ihr gesagt wurde, dass die Vollmacht in Anwesenheit der Kinderschutzleute ausgefertigt werden könne. Aber sie hatten es einer schwangeren Frau nicht gesagt. Auf der anderen Seite warnten sie sie, dass, wenn mein ältester Sohn oder seine Großmutter mit den Kindern draußen spazieren gingen, die Kinder sofort entzogen werden würden, da sie keinen gesetzlichen Beweis für die Vormundschaft hatten.

Wussten Sie, was zu Hause geschah, als Sie vor Gericht und im Gefängnis waren?

Nicht für die ersten zwei Tage. Ich war isoliert. Dann gab mir jemand eine SIM-Karte und ich rief nach Hause. Zu dieser Zeit standen unsere Jungs aus dem OPR im Hof standhaft und ließen keine Fremden an die Wohnung kommen, denn im Hof gab es eine ständige Überwachung. Ein Auto mit einigen Fremden jungen Leuten war dort rund um die Uhr. Sie verschwanden erst, nachdem ich vier Tage lang verhaftet worden war.

Das wurde alles getan, um Sie einzuschüchtern?

Du kannst mich nicht mit solchen Methoden einschüchtern. Obwohl neuerding kaum jemand nicht an meine Tür klopfte: die Polizei, die Steuerinspektoren, die Staatsanwälte, der FSB (Geheimdienst). Bisher haben nur Aliens noch nicht bei mir angeklopft.

Russische Beamte verstehen nicht, dass sie uns nicht mit solchen Handlungen einschüchtern können: ich meine Trucker im Allgemeinen. Das sind Jungs, die es gewohnt sind, alles selbst zu machen. Sie haben eine Million Nächte allein in den Wäldern verbracht, auf Parkplätzen, an der Seite der Straße. Sie reparieren ihre eigenen Lastwagen, brutzeln ihr Essen und verteidigen sich. Sie sind es gewohnt, sich zu behaupten. Du kannst sie nicht aus der Spur bringen. Das Zeug funktioniert nicht bei ihnen.

Hören die auf Sie?

Sie tun es, aber nicht so, wie sie sollten. Wir haben gehört, dass einige der Mächtigen nervöse Ausfälle haben aufgrund von uns und aufgrund dieser Situation. Aber das wollen wir nicht. Wir sind keine professionellen Demonstranten. Wir wollen uns an den Verhandlungstisch setzen und unsere Probleme lösen. Was in der Branche passiert ist, ist abnormal. Immer mehr Trucker sind am Streik beteiligt. Manche mögen ihre Fahrzeuge nicht parken, aber sie fahren leer: sie transportieren keine Ladung. Sie parken nicht an den Straßenrändern, sie sind nicht direkt an unseren Protest-Rallyes beteiligt, aber sie unterstützen uns.

Ihre Verhaftung und die Geschichte mit ihren Kindern haben ihre Pläne nicht verändert?

Auf keinen Fall. Natürlich machte ich mir Sorgen um die Kinder, als ich nicht sicher war, ob die Behörden sie zu Hause lassen würde oder nicht. Ich machte mir Sorgen um meine Frau und ihren Zustand. Aber ich wurde sofort mit Textnachrichten aus dem ganzen Land bombardiert. Die Leute waren bereit zu helfen. Sie waren bereit, meine Familie zu Verstecken. Ich werde in Zukunft vorsichtig sein. Aber wir werden nicht aufhören mit dem, was wir tun, bis wir etwas erreichen.

Wie ist die Stimmung der Trucker im Moment? Wie lange wollen sie streiken? Wie weit sind sie bereit, mit ihrem Protest zu gehen?

Wir werden den Streik nicht beenden, bis die Behörden eine Entscheidung treffen. Während zu Beginn des Protestes viele Kollegen sagten, wir würden nicht mehr als eine Woche aushalten, ist man jetzt einstimmig dafür, dass wir bis zum Ende aushalten. Das Hauptziel sind Verhandlungen mit dem Verkehrsminister Sokolov und dem Premierminister Medwedjew, die, wie ich glaube, keine Ahnung von unseren Problemen haben. Wir wollen, dass sie wenigstens versuchen, sich ein Bild zu machen. Darüber hinaus sollten sich alle Mitglieder der Trucker-Community an den Verhandlungstisch setzen, auch diejenigen, die unseren Standpunkt nicht teilen, denn das Problem ist groß, das ist ein echter Wirtschaftszweig, und alle Meinungen müssen einbezogen werden. Bis solch ein Treffen stattfindet, wird der Streik fortgesetzt. Wir bleiben auf dem Weg, bis es eine echte Lösung gibt.

Am 5. April wurde Rustam Mallamagomedov, der Führer der Dagestanischen Trucker, in Moskau festgenommen. Haben Sie herausgefunden, was passiert ist? Wie werden Sie reagieren?

Das ist pure Gesetzlosigkeit. Für lange Zeit konnten wir nicht verstehen, wer die Leute, die Rustam festnahmen, waren. Waren sie aus der Moskauer Kriminalpolizei oder vom FSB (Geheimdienst)? Wir wissen immer noch nicht, was ihre Anklage gegen Rustam ist. Aber wir haben sofort die Anwälte und Menschenrechtsaktivisten geschickt. Es funktionierte, und Rustam ist jetzt frei. Wir gehen zusammen nach Makhachkala. Am 7. April treffen sich Trucker aus Dagestan, Kabardino-Balkariya und Tschetschenien dort mit Reportern. Auf dem Rückweg nach Moskau werden wir in Ossetien, Krasnododar und Rostov-am-Don ähnliche Treffen abhalten, denn es gibt ein Informationsdefizit in den Medien über den Streik.

Warum ist Dagestan der Brennpunkt der Auseinandersetzung?

In Dagestan sind 90% der Fahrer selbstfahrende Unternehmer. Die Republik ist klein, und so ist der Streik in jedermanns Gesicht. Es sind Streikende im ganzen Land verbreitet, aber Russland ist so riesig, dass es nicht so spürbar ist, obwohl eine riesige Anzahl von Menschen im Streik sind. Wir werden die Zahlen bis zum 10. April zusammenfassen. Wir wollen die Anzahl der Regionen zählen, in denen es Protestlager gibt, und die Zahl der Menschen in diesen Lagern, sowie wo die Lager sind und wo sie waren, bis die Polizei sie auflöste.

Wir werden versuchen, ein Gesamtbild für jede Stadt in Russland zu geben. Es ist kompliziert. In Petersburg allein gibt es mehr als 200 Parkplätze, und wir müssen die Runden zu allen machen. Es gibt auch Menschen, die sich nicht offen am Protest engagieren, aber ihn unterstützen und ihre Lastwagen geparkt haben. Wir müssen sie auch berücksichtigen. Derzeit haben nicht einmal die Verkehrspolizei und die Bereitschaftspolizei diese Statistiken. Aber ich kann sicher sagen, dass zumindest die Hälfte aller Trucker nicht arbeiten. In Bezug auf Zahlen, das ist mehr als eine Million Lastwagen.

Hier der Originaltext aus Novaya Gazeta



Eine kurze Geschichte der LKW-Fahrer in Russland seit den 90' Jahren


Bei der "Auflösung" des Sozialismus in der ehemaligen Sowjetunion in den 90' Jahren wurden die LKW's aus den staatlichen Betrieben zu meist verramscht. Viele Fahrer erwarben sich so billige LKW und fuhren auf selbstständiger Basis weiter. Inzwischen aber rechnet sich das für Selbstfahrende Unternehmer nicht mehr und billige LKW gibts auch nicht mehr. die schlechte wirtschaftliche Lage (durch den Boykot verschärft) und das Mautsystem "Platon" haben das Fass zum überlaufengebracht. Die Maut wird nicht vom Staat eingetrieben, sondern von einem Oligarchen aus dem direkten Umfeld von Putin. Und das Geld wandert zu einem großen Teil in die Taschen des Oligarchen. Sie zahlen Maut für Straßen, die es nicht gibt und die wahrscheinlich nie gebaut werden. Gleichzeitig wittern die Großspediteuere Morgenluft, Marktbereinigung und Monopolisierung. Sie fahren zu unterhalb der entstehenden Kosten. Sie wollen die Kleinunternehmer in den Ruin treiben und ihren Marktanteil übernehmen. Die Kleinspedteure sehen sich nicht als Unternehmer, sonder bezeichnen sich als "Arbeiter". Sie können mit ihrer Arbeit nicht mehr ihre Familien ernähren, nicht mehr ihre Fahrzeuge unterhalten. Sie sagen: "Wir haben keine Wahl. Wenn wir nichts tun, gehen wir unter. Wir müssen kämpfen, es gibt kein Zurück."

Der Streik begann spontan im November 2015. Der Funk ist ein wichtiges Kommunikationsmittel untereinander. Es waren zahntausende an Kurzstreiks und Protestkonvoys beteiligt. Rund 100 Wackere hielten ein halbes Jahr im Protestcamp Chimki im Norden Moskaus aus. Sie erhielten Spenden von der Bevölkerung und verkauften mehrere LKW, um Lebensmittel und Diesel für die Standheizungen zu finanzieren. Zum Streik-Ende gründeten sie die OPR, eine gewerkschaftsähnliche Selbstorgnisation. Sie sehen ihre Orgnisation als basisdemkratisch. Entscheidungen gibt es in offenen Diskussionen und Abstimmungen. Der Kampf ging nicht von den offiziellen Gewerkschaften aus. Zu den Parteien hielten sie bewußt Distanz. Zur Gründung hatten sie ca. 3000 Mitglieder, als sie nach Deutschland kamen, waren es bereits um die 10.000. Am 27.3 begann der aktuelle Streik. Es blieben eine Million LKW stehen.

In Russland gibt es keine echte Arbeiterbewegung. Sie sind die Berufsgruppe, die die bedeutendsten Kämpfe hervorgebracht hat. Sie haben sich für andere eingesetzt, die von der Selbstbedienung der Oligarchen und der Korrutption betroffen sind. Sie unterstützen Bergabeiter und Bauern, denen das Land von von Oligarchen geraubt worden ist. Für Teile der Bevölkerung sind sie damit zu Helden geworden.

Sie haben sich vorgenommen, sich mit dem System anzulegen. Der Aufhänger ist die Maut. Sie soll zurückgenommen werden. Eine Maut für Transitfahrten wären ok. Es soll Transparenz in die Geldeinnahme eingefordert werden und wohin das Geld geht. In erster Linie fordern sie Gespräche und Verhandlungen. Sie wollen mit Medvedjev über die Lösung der Probleme verhandeln.

In Dagistan liegt die Streikhochburg. Über 90% der Fahrzeuge fahren nicht. Die Unterstützung der Bevölkerung ist groß. Der Staat versuchte es mit Säbelrasseln, Kalaschnikovs, Hubschraubern und Panzern. Streikende und Bevölkerung ließen sich nicht einschüchtern. Der nächte Schritt wäre ein offener Bürgerkrieg, was der Staat aber vermeiden möchte.

Die Streikenden sind sehr entschlossen. Die wichtigste Waffe des Staates ist das mediale Totschweigen des Kampfes.
Die westlichen Medien sind da aber kein Stück besser.



Die jetzige Situation


Die Fahrer bekommen viel Unterstützung aus der Bevölkerung. Lebensmittel werden in ihre Streikcamps gebracht. Besonders schön: Ein Aktionstag brachte einen Sprung nach vorn: Bekannte Intellektuelle und Künstler geben jetzt in der Öffentlichkeit Solidaritätserklärungen heraus. Das bringt in Rußland eine Menge gegen das Schweigen der Medien. Sehr rührend das Video, wo sich Rentner solidarisch erklären und dafür festenommen werden:



Für den 15.4. hatte die OPR eine Großkundgebung mit PKW Korso in St. Peterburg angekündigt.
Dort wurden acht Personen verhaftet, darunter der Vorsitzende des OPR Andrej Bazhutin und der Koordinator des St. Petersburger Zweiges Sergej Vladimirov.

Die Gefangenen wurden zur Polizeidienststelle der Stadt Puschkin gebracht. An das Gebäude der Polizeiwache von Puschkin wird niemand herangelassen, weder Menschenrechtler, noch Journalisten, noch die Menschen, die dazu aussagen wollen.

Ein Video von der Verhaftung:





Zu Besuch in Deutschland

Kurz vor Beginn des Streiks im März war eine Delegation der russischen Fahrer in Deutschland.
Sie sagten:" Wenn wir nichts machen, gehen wir unter und können von dem Job nicht mehr Leben. Dann gehen wir lieber kämpfend unter."
Sie werden von einem großen Teil der Bevölkerung bewundert, weil sie die einzige Berufsgruppe sind, die es wagt zu kämpfen.
Sie haben vieles so beschrieben, wie es auch kam. Die einsetzende Lebensmittelknappheit der Bevölkerung z.B..

Dieser Besuch wurde von der Linkspartei und den Grünen finanziert. Aber bisher scheint es keine politische Unterstützung aus diesen Reihen zu geben. Und von den anderen Parteien sowieso nicht.

Einer der Organisatoren des Besuches hat es ermöglicht, dass ein Telefongespräch zwischen uns und Andrej Bazhutin während seines Aufenthaltes in Deutschland zustande kam.
Wir bewundern ihren Kampf, der mit Sicherheit unter weit schwierigeren Verhältnissen stattfindet, als wir es uns hier in Deutschland vorstellen können.



Und nun noch eine Erklärung der Streikenden:

Fernfahrerstreik. Zwischenbilanz nach 20 Streiktagen

1. Die Streikkoordinatoren gingen davon aus, dass der Streik nach einem Monat spürbare Auswirkungen zeigt. Die Prognosen sind früher eingetroffen.

2. Offen zugängliche Zahlen über finanzielle Verluste von Tankstellenbetreibern liegen nicht vor, dafür gibt es Berichte aus den Regionen über Lieferstockungen u.a. von Lebensmitteln. Solche Informationen stammen aus Städten, deren Versorgung komplett von Zulieferungen abhängig ist.

3. Die Verbraucherschutzvereinigung teilte mit, dass ihr über 100 Meldungen aus drei Dutzend Regionen Russlands vorliegen mit Beschwerden über Lücken im Warenangebot von Lebensmittelgeschäften. Die Vereinigung erstellte eine interaktive Karte mit Angaben zur Lebensmittelknappheit, d.h. sie weist auf Verstöße gegen die Rechte von Verbrauchern hin, die durch die Doktrin zur Lebensmittelsicherheit in der Russischen Föderation geschützt sind. Sie hat sich mit einem offiziellen Schreiben an Premierminister Medwedjew gewandt, das Informationen über erste Engpässe in der Lebensmittelversorgung enthält und auf die Notwendigkeit hinweist, eiligst Maßnahmen zur Vermeidung einer Unterversorgung zu ergreifen.

4. Eine Reihe engagierter Personen, die zwar keine "Parteiführer" darstellen, sich aber für die Rechte und Freiheiten russischer Bürger einsetzen, haben sich offen für die Unterstützung der Fernfahrer ausgesprochen.

5. Kulturschaffende und Personen des öffentlichen Lebens setzen sich für die Fernfahrer ein. Aleksej Lebedinskij, bekannt als "Professor Lebedinskij", Musiker, hat eine Videobotschaft veröffentlicht. Der Politiker Leonid Gozman folgte.
Die Regierung organisierte vor laufenden Kameras der zentralen TV-Sender ein Treffen mit Vertretern von Fake-Organisationen, die niemanden vertreten außer sich selbst.

6. Die Regierung weigert sich demonstrativ die Fernfahrer zu beachten, die auf ein Treffen mit Premierminister Medwedjew und Transportminister Sokolow bestehen, um über die gegebenen Umstände zu sprechen, die es den Fahrern unmöglich machen ihrer Arbeit nachzugehen und Geld für sich und ihre Familien zu verdienen. Als ob nichts wäre.

7. Versuche des Sicherheitsapparats auf ihre Weise gegen die Fernfahrer vorzugehen haben an der Situation nichts geändert. Die Streikenden sind in einem klassischen Netzwerk organisiert, ohne Anführer bei gleichzeitiger Austauschbarkeit einzelner Koordinatoren, sie stehen dauernd im Kontakt und sie verbinden einheitliche Forderungen an den Staat. Kümmerliche Versuche Andrej Bazhutin oder Rustam Mallomagomedow außer Gefecht zu setzen scheiterten. Sie sind weder Nawalnyj noch Maltsew, sondern lediglich Sprecher der Streikenden. Nicht mehr. Einschüchterungsversuche gegenüber der Fernfahrer in Dagestan mit bewaffneten Einheiten der Nationalgarde, Panzern, Hubschraubern und Panzerwagen führten zu nichts. Die Staatsmacht fürchtet sich vor einem Blutvergießen in Dagestan. Ein dritter Kaukasuskrieg käme ihr zum jetzigen Zeitpunkt gar nicht gelegen.

8. Die Staatsführung nimmt eine abwartende Haltung ein nach dem Prinzip "alles löst sich irgendwie von selbst in Luft auf". Im Fernsehen ist keine Rede von den Fernfahrern, sei's drum. Als ob es keine Probleme gäbe.

9. Die Taktik der Streikenden besteht derzeit darin, dass die Regionen versuchen diverse Aktionen durchzuführen wie Autokolonnen u.ä., Einfluss auf die lokalen Staatsvertreter zu nehmen, damit diese wiederum Druck auf Medwedjew ausüben, mit dem Ziel eines Treffens mit den Fernfahrern. Allerdings meinen Beobachter, dass nur eine Aktion in Moskau von den Medien wahrgenommen wird und den gewünschten Effekt erzielt.





Wir werden weiter für euch dranbleiben und berichten!


Hier: Ein Blick in die Geschichte des Fuhrmann`s

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